Island

Februar 2019

Es war schon sehr lange mein Wunsch, einmal nach Island zu fliegen. Verbunden mit dem Traum Nordlichter zu sehen, entschieden wir uns für die Winterferien.

Allgemein

Island hat ca. 350.000 Einwohner, davon leben zwei Drittel der Bevölkerung im Verdichtungsraum der Hauptstadt Reykjavik. Der Inselstaat liegt im Nordatlantik und zählt zu Nordeuropa. Die Insel selbst ist vulkanischen Ursprungs, wobei über 11% der Fläche aus Gletschern besteht.

Unsere Strecke – Insgesamt sind wir ca. 1.300 km in einer Woche gefahren

Flughafen Keflavík → Selfoss → Pétursey → Jökulsárlón → Reykjavík → Golden Circle → Blaue Lagune

 

Flug, Mietauto & Unterkünfte

Im Juli 2018 haben wir die Flüge direkt bei “WOW Air” gebucht. Wir sind direkt ab Berlin Schönefeld zum internationalen Flughafen von Island nach Keflavík geflogen. Man fliegt ca. vier Stunden und wir haben pro Person ca. 150 Euro bezahlt.

Unser Mietauto, ein SUV (4 Rad-Antrieb, mit Winterreifen und Spikes und Automatik Getriebe), haben wir bei Europcar gebucht. Sehr schnelle und unkomplizierte Abwicklung, außerdem ohne extra Bustransfer zum Parkplatz, sondern ein kurzer Weg zu Fuß. Für die acht Tage haben wir ca. 660 Euro bezahlt.

Unsere Unterkünfte habe ich im Vorfeld über booking.com bzw. airbnb.de gebucht.

Im Durchschnitt haben wir 170 Euro pro Nacht bezahlt. Wir hatten immer zwei Schlafzimmer, Küche, Wohnzimmer, Bad und einen kostenfreien Parkplatz.

 

Ankunft

Wir kamen 14 Uhr am Flughafen Keflavík an, holten unser Mietauto ab und fuhren gleich erstmal einkaufen. Die Supermärkte Nettó, Bónus und Krónan sind relativ günstig. Die Preise sind ein müh höher als bei uns im Edeka oder Rewe aber nicht so hoch wie ich es oft gelesen hatte. Also Obst, Gemüse, Pasta, Sauce, Käse, Brot, Butter und Aufstrich, sowie Wasser, Säfte und Süßkram sind alles bezahlbar. 

Weiter ging es erst einmal vorbei an Reykjavík nach Selfoss zu unserer ersten Unterkunft. Das kleine gemütliche Ferienhaus liegt direkt neben einem Reiterhof und die hübschen Islandponys stehen direkt vorm Fenster auf der Weide. Schade das wir hier nur eine Nacht waren, es hat uns sehr gefallen! 

Nächstes Ziel war der Wasserfall Seljalandsfoss. Das Wasser stürzt hier über 66 Meter tief in einen kleinen See. Im Sommer gibt es mehrere Pfade neben und hinter den Wasserfall zu gelangen. Gleich daneben liegt der Wasserfall Gljúfurárfoss. Das besondere ist hier, dass man nur durch einen Felsspalt zu ihm gelangt. Es war wirklich sehr nass und glatt. Unbedingt Gummistiefel, Spikes und Mut mitbringen. Ich habe mich nicht getraut.

Mit dem Auto 30 Minuten weiter südlich, gelangt man zum Wasserfall Skógafoss, mein persönlich schönster Wasserfall in Island. 60 Meter in die Tiefe stürzt das Wasser des Flusses Skóga.

Einen tollen Blick von oben auf den Reynisfjara Strand hat man, wenn man bis ans Ende der Straße 218 zum Kirkjufjara Strand fährt. Wieder ein Stück zurück und links abgebogen kommt man zum Dyrhólaey Leuchtturm. Dort bläst der Wind so stark, dass man unbedingt darauf achten muss, dass man seine Autotür beim Öffnen gut festhält.

Auch sehr schön fand ich die Hálsanefshellir Höhle und die Basalt Säulen am Reynisfjara Strand. Die tosenden Wellen die auf den schwarzen Strand zu kommen sind sehr beeindruckend und bei Sturm auch sehr gefährlich!

Danach fuhren wir zu unseren zweiten Unterkunft, in Pétursey. Hier blieben wir für zwei Nächte.

Tipp:
Kauft euch vor der Reise Spikes für eure Stiefel. Die gibts bei Amazon oder in Outdoor Geschäften. Wie bei Schneeketten, einfach über die Stiefel ziehen und die vereisten Wege sind kein Problem mehr. Auf steinigen Wegen aber am besten wieder abziehen, damit die Spikes nicht abbrechen.

Das absolute Highlight unserer Reise waren der Gletscher und der gegenüber liegende Diamond Beach. Die reine Fahrtzeit waren 2,5 Stunden hin und dann natürlich 2,5 Stunden wieder zurück. Aber schon allein die Fahrt mit Blick über die Berge und immer wieder wechselnde Landschaften ließ mein Herz höher schlagen.

Wir legten einen Zwischenstop an der Flussschlucht Fjaðrárgljúfur ein. Nicht überfüllt, kostenloser Parkplatz und tolle Wanderwege oberhalb entlang der Schlucht.

Überfüllter war es dann am 200 Meter tiefen Gletschersee Jökulsárlón, aber es war so schön das blaue Eis ganz ruhig im Wasser schwimmen zu sehen. Im Nebel tauchten die Berge auf und die Sonne kam von der anderen Seite durch. Unglaublich schön!

Auf der anderen Seite der Straße befindet sich der Diamond Beach. Schwarzer Sand und Eisbrocken die vom Meer angespült werden und in der Sonne funkeln. Wahnsinn!

Danach ging es leider wieder zurück Richtung Pétursey wo wir in Vík í Mýrdal im gemütlichen Halldorskaffi einkehrten. Es gab leckere frische Burger mit Pommes für 14 Euro.

Ganz toll und interessant, auch für Kinder, ist das Freilichtmuseum Skogar. Geöffnet von 10 bis 17 Uhr kostet es ca. 15 Euro pro Erwachsene, Kinder unter 12 Jahren sind frei. Es gibt den Außenbereich, das Hauptgebäude und das Verkehrsmuseum. Im Freilichtmuseum wurden Originalgebäude aus ganz Island wiederaufgebaut und zeigen den Baustil von früher. Die gesamte Innenausstattung stammt aus dem 19. Jahrhundert. Am ältesten ist die Ausstattung von der Guten Stube von 1838. Die Wände waren meist aus Tuffstein und Basalt, das Holz war überwiegend Treibholz, weil es in Island keine Wälder gibt.

Im Hauptgebäude gibt es den Seefahrersaal in dem sich das Ruderboot Pétursey, welches 1855 erbaut und noch bis 1946 genutzt wurde, befindet. Weiter gibt es noch zahlreiche Ausstellungsstücke von Handwerk, Landwirtschaft und Naturkunde. Im Gebäude dahinter wird über die Transport- und Telekommunikationsgeschichte berichtet.

Das Solheimasandur Flugzeugwrack welches 1973 am Strand Notgelandet ist, ist nach 45 Minuten Fußmarsch auf gerader Ebene zu erreichen. Wir haben es aber aus Zeitgründen weggelassen. Der Weg ist sicher auch eher langweilig für Emil, vor allem wenn es nur gerade hin geht. Vielleicht beim nächsten Islandbesuch :)

 

In Reykjavik bezogen wir erst einmal unsere neue Unterkunft, gebucht über AirBnB und entspannten und schliefen ein wenig. Am Abend sollten die Nordlichter gut zu sehen sein. Kurz nach 21 Uhr starten wir zum „Grótta Island Lighthouse“. Für 10 Minuten war alles perfekt: der Vollmond hat sich hinter Wolken versteckt und eine Wolkenlücke tat sich genau an der richtigen Stelle auf. Schnell war das Schauspiel wieder vorbei und wir fuhren mehr ins Landesinnere, wo wir noch einmal auf Nordlichter hofften. Der Himmel war Sternenklar, der Mond schien (leider) sehr hell und es waren keine Nordlichter zu sehen. Ein bisschen traurig darüber, fuhren wir 1 Uhr nachts wieder zu unserem Apartment zurück. Welch Glück wir doch am Leuchtturm hatten … 

Leider gab es keinen anderen Zeitpunkt in der Woche, wo alle Vorraussetzungen, Nordlichter zu sehen, gegeben waren. Entweder starker Sturm, Regen und Bewölkt oder freier Himmel, aber gerade keine Nordlichter. Da braucht man eine Menge Glück!

Nordlichter bzw. Aurora Borealis

Polarlichter bzw. Nordlichter entstehen, wenn elektrisch geladene Teilchen des Sonnenwinds aus der Magnetosphäre (hauptsächlich Elektronen, aber auch Protonen) auf Sauerstoff- und Stickstoffatome in den oberen Schichten der Erdatmosphäre treffen und diese ionisieren. Bei der nach kurzer Zeit wieder erfolgenden Rekombination wird Licht ausgesandt. Durch die Energieübertragung rutschen die Elektronen also eine Schale nach außen, danach aber wieder auf die ursprüngliche Schale zurück, wenn man das Bohrsche Atommodell als Grundlage nimmt. Dabei wird elektromagnetische Strahlung emittiert, es wird Licht ausgesandt. (Quelle: Wikipedia)

Um Nordlichter zu sehen müssen drei Bedingungen erfüllt sein:

  • es muss so dunkel sein wie möglich,
  • es darf nicht zu bewölkt sein und
  • die Aurora muss natürlich gerade über Island aktiv sein.

Es gibt verschiedene Webseiten die dabei helfen herauszufinden wo und wann günstige Bedingungen vorliegen:

Am besten ist eine Aktivität von mindestens 4 oder höher. Alles was darunter ist, ist in Island kaum zu sehen. Die Nordlichter sind auch nicht so zu erkennen, wie man es auf Grundlage von Fotos vermutet. Die meisten Fotos werden mit Stativ und Langzeitbelichtung aufgenommen. Dadurch kann die Kamera länger das Licht einfangen. Mit dem bloßen Auge sehen Nordlichter viel blasser und nicht grün, sondern eher grau aus und sind deshalb leicht mit einfachen Wolken zu verwechseln.

Golden Circle

Die meist befahrene und beliebteste Strecke von Touristen in Island ist wohl der „Golden Circle“. Natürlich gehörte auch diese Tour zu unserem Islandurlaub dazu. Wir starteten in Reykjavik und unser erster Halt war an einem eisblauen See. Ein kleiner Parkplatz lies schnell erahnen, dass sich in der Nähe etwas besonderes befand. Das Wasser sah wirklich toll aus!

Weiter ging es zum Thingvellir-Nationalpark, der seit 2004 zum Unesco-Welterbe gehört. Hier fanden alle historischen wichtigsten Ereignisse statt: von der Ausrufung des Freistaats 930 bis zur Gründung der Republik Island 1944. Einmal im Jahr trafen sich alle Stammesoberhäupter und ihre freien Bauern, um Gesetzte zu hören, Urteile zu fällen und politische Entscheidungen zu treffen.  Außerdem ist Thingvellir auch in geologischer Hinsicht bedeutsam als Fortsetzung des mittelatlantischen Rückens, wo die eurasische und die amerikanische Kontinentalplatte auseinanderdriften, deutlich zu erkennen an der Schlucht Almannagjá. Messungen haben ergeben das sich Thingvellir jährlich um 8mm senkt und um den gleichen Wert ausdehnt.

Das Besucherzentrum ist ganz nett und bietet eine tolle Aussicht über das Tal. Wir waren anschließend noch am Wasserfall Öxarárfoss.

Weiter ging es zum Geysir Strokkur. Es brodelt an mehreren kleinen Wasserquellen und Rauch steigt empor, der sehr nach Schwefel riecht bzw. stinkt. Der größte Geysir bricht ca. aller sieben Minuten aus und eine bis zu 15 Meter hohe Fontäne steigt in die Luft.

Das Wetter wurde schlechter und bei Dauerregen erreichten wir den Wasserfall Gullfoss. Ein kurzer Spaziergang bis zur Aussichtsplattform und ein Foto mussten reichen.

Bevor es zurück nach Reykjavik ging, legten wir einen kurzen Shopping Stop in Selfoss im Krónan ein.

Reykjavík

Eine moderne und urbane Stadt mit 120.000 Einwohnern und ist umgeben vom Meer und begrenzt vom Berg Esja. Es gibt wunderschöne bunte Häuser die immer wieder zwischen öden, grauen Bauten auftauchen. Wir parkten unser Auto in der Nýlendugata und schlenderten Richtung Zentrum. Leider regnete es immer wieder, aber dies hielt uns nicht von einer Stadtbesichtigung ab. Tolle Street-Art war immer wieder zu entdecken und großartige Designer-Läden luden zum shopping und bummeln ein.

Das Rathaus befindet sich direkt am See Tjörnin im Zentrum. Architektonisch sehr auffallend und gebaut von 1992. Sehenswert ist das große Reliefmodell von Island. Außerdem gibt es Sitzgelegenheiten und eine öffentliche Toilette ;)

Unser großes Ziel war aber die Hallgrimskirche mit ihrem 76 Meter hohen Turm. Die Kirche kann kostenfrei besucht werden und ist wunderschön schlicht. Eine der schönsten Kirchen die ich je gesehen habe! Einen fantastischen Blick über Reykjavík hat man auf dem Turm. Erwachsene zahlen 1.000 ISK (7,50 Euro) und Kinder (7-16 Jahre) 100 ISK (75 Cent) um mittels Fahrstuhl bequem nach oben zu gelangen.

Zwei Shopping-Straßen mit einigen Designer-Läden sind die Skólavörðustígur und die Laugavegur.

Die wohl leckersten warmen Zimtschnecken gibt es bei Brauð & Co. Unbedingt probieren!

Einen Abstecher zur Skulptur Sonnenfahrt (isländisch: Sólfar und englisch: The Sun Voyager ) durfte natürlich auch nicht fehlen. Diese wurde vom Künstler Jón Gunnar Árnason im Jahre 1986 erschaffen. 1990 wurde sie am heutigen Standort gebaut und anlässlich des Jubiläums der Stadt enthüllt. Die aus Edelstahl bestehende Skulptur ähnelt einem Wikingerschiff. Wir hatten großes Glück und im Hintergrund tat sich ein Regenbogen auf.

Bevor wir am nächsten Tag wieder heim mussten, ging es für ein paar Stunden in die Blaue Lagune. Ich buchte drei Wochen vorher online die Karten, ein spontaner Besuch ist eher schwierig, da nur eine gewisse Anzahl an Menschen pro Stunde reingelassen werden. Der Preis ist leider auch nicht gerade günstig. Wir zahlten 86 Euro pro Person (ab 14 Jahre). Kinder unter zwei Jahren sind nicht erlaubt. Der Preis beinhaltet den Einlass, eine „Silica mud“ Gesichtsmaske, ein Handtuch, ein gratis Getränk an der Bar direkt am Wasser und für die Haare Conditioner. Der Parkplatz ist ebenfalls kostenfrei.

Es gibt die „Outside Blue Lagoon“, das heißt, man geht nicht ins Gebäude, sonder links den Weg herum und kommt an einen großen blauen See. Es stinkt übrigens fürchterlich nach Schwefel. Das Wasser und die Luft haben aber während des badens nicht gestunken.

Das Wasser des milchig-blauen Sees hat seine Farbe von Mineralien und Algen, die nachweislich heilende Wirkung bei Hauterkrankungen haben. Das Wasser hat eine Temperatur von 38 Grad und wirkt total entspannend.

Tipp: Beim nächsten mal würde ich unbedingt eine Mütze oder Stirnband aufsetzten oder Ohropax mitnehmen. Der Wind zieht auch dort sehr und ist unangenehm in den Ohren.

Equipment
Canon 5D Mark III
Canon EF 50mm f/1.2 L USM
Canon EF 16-35mm 1/2,8L II USM